Ehering: welche Hand?
In Deutschland, Österreich, Polen, Russland und Spanien wird der Ehering an der rechten Hand getragen, am Ringfinger. In den meisten anderen Ländern — darunter Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA und die Türkei — ist es die linke. Eine Regel, an die man sich halten müsste, gibt es nicht.
Die kurze Antwort
Rechts, am Ringfinger. So ist es in Deutschland üblich, und so wird es auch bei uns in Gießen fast immer gewünscht.
„Üblich“ heißt aber nicht „vorgeschrieben“. Es gibt keine gesetzliche Regelung und keinen kirchlichen Zwang. Wer den Ring links tragen möchte, weil er dort besser sitzt oder weil das Paar aus zwei Ländern kommt, macht nichts falsch.
Warum in Deutschland rechts?
Die linke Hand galt in der römischen Antike als die Seite, an der die sogenannte vena amoris verläuft — eine Ader, die angeblich direkt zum Herzen führt. Anatomisch stimmt das nicht, aber die Vorstellung hat sich gehalten und erklärt, warum im römisch geprägten Westeuropa links getragen wird.
Im deutschsprachigen und im orthodox geprägten Raum setzte sich die rechte Hand durch. Die rechte Seite stand für Treue und Eid — man schwört mit der rechten Hand. Eine Rolle spielte auch die Abgrenzung: In Gegenden mit gemischter Konfession wurde die Seite zum Erkennungszeichen.
Beides sind Überlieferungen, keine Vorschriften. Wer nach dem „eigentlich richtigen“ Weg sucht, wird ihn nicht finden — weil es ihn nicht gibt.
Wo welche Hand üblich ist
Rechts: Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Norwegen, Dänemark, Spanien, Griechenland, Bulgarien, Indien (dort traditionell ebenfalls rechts).
Links: Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland, Schweden, die Niederlande, die USA, Kanada, Australien, die Türkei, Brasilien, Japan.
Die Schweiz ist geteilt: In der Deutschschweiz überwiegt rechts, in der Romandie links. Wer international heiratet, entscheidet das Paar unter sich — und beide Seiten sind richtig.
Und der Verlobungsring?
Der Verlobungsring wird in Deutschland traditionell links getragen — also an der anderen Hand als der spätere Ehering. Zur Hochzeit wechselt er dann oft nach rechts und steht dort vor oder hinter dem Ehering. Wer ihn links lässt, macht es genauso richtig.
Zwei Ringe an einem Finger vertragen sich nur, wenn sie zueinander passen. Ein Solitär mit hoher Fassung und ein breiter Ehering reiben aneinander; über die Jahre nutzt sich das weichere Metall ab. Wenn Sie die Ringe zusammen tragen wollen, sagen Sie das beim Kauf der Trauringe — dann suchen wir ein Modell, das dazu passt.
Ein Beisteckring ist die dritte Möglichkeit: ein schmaler Ring, der die Lücke zwischen Solitär und Ehering schließt und beide auf Abstand hält.
Was die Handwahl für die Größe bedeutet
Das wird fast immer übersehen: Die beiden Hände sind nicht gleich groß. Bei Rechtshändern ist der rechte Ringfinger meist eine halbe bis ganze Größe stärker als der linke, bei Linkshändern umgekehrt.
Wer die Größe am linken Finger nehmen lässt und den Ring dann rechts trägt, wundert sich später, warum er klemmt. Lassen Sie deshalb an der Hand messen, an der der Ring wirklich sitzen wird.
Auch die Tageszeit spielt hinein — abends und bei Wärme sind die Finger stärker. Mehr dazu steht im Beitrag Ringgröße messen.